WaBis

walter.bislins.ch

Depressionen: Grenzen der Behandlung

Grenzen der medikamentösen Behandlung

Das Wohlbefinden eines Menschen hängt unter anderem vom komplizierten Zusammenspiel von verschiedenen Hormonen im Hirn ab. Es gibt bis heute keine Möglichkeiten, den momentanen Zustand der Hormone im Hirn zu messen und in einen Zusammenhang mit einer Depression zu bringen. Und selbst wenn der Zustand erfasst werden könnte, so würden verschiedene Menschen mit dem selben Zustand sich wahrscheinlich unterschiedlich fühlen.

Deshalb ist es bisher nicht möglich, eine solche Erkrankung rein medikamentös zu heilen. Es gibt heute duzende von Antidepressiva, die alle ein wenig anders wirken. Dem Patienten bleibt manchmal nur übrig, eines nach dem anderen auszuprobieren, bis er für sich das passende gefunden hat. Da er jedes Präparat über mehrere Wochen einnehmen muss, bis sich eine Wirkung einstellt, kann es sehr lange dauern, bis er das Richtige gefunden hat.

Grenzen der psychischen Behandlung

Die Psychologie versucht den Menschen zu helfen, Wege zu finden, wie sie aus ihrer Krankheit herausfinden. Da bei jedem Menschen andere Ursachen für eine Depression vorliegen, ist eine Hilfe oder gar Heilung schwierig und manchmal sehr langwierig.

Dass eine Behandlung nichts nützt, kann unter anderem damit zu tun haben, dass der Zeitpunkt dafür nicht richtig ist oder dass die «Chemie» mit dem Therapeuten nicht stimmt. Möglicherweise hängt es auch damit zusammen, dass der Patient die Sorge um die Gesundheit an den Partner, die Eltern oder an Fachleute delegieren konnte. Das ist so zu verstehen:

Sigmund Freud prägte den Begriff «sekundärer Krankheitsgewinn». Er meinte damit, dass es im Unbewussten eine Tendenz gibt, krank zu bleiben, obwohl man gesunden könnte, und dies bewusst auch anstrebt. Kranksein hat eben auch angenehme Aspekte: Kranke erfahren oft mehr Zuwendung als Gesunde, und von ihnen wird auch weniger erwartet. Würden Kranke gesund, müssten sie sich zudem den zwischenmenschlichen Konflikten stellen, die sie vielleicht krank gemacht haben. Und nicht zuletzt müssten sie sich wieder in unserer manchmal unbarmherzigen Wettbewerbsgesellschaft behaupten.

Damit Patientinnen und Patienten sich nach einem Zusammenbruch diesen Herausforderungen erneut stellen können, sollten Angehörige und Bekannte zwar Verständnis und Einfühlungsvermögen zeigen und Mut vermitteln. Sie dürfen aber den «Krankheitsgewinn» nicht dadurch vergrössern, dass sie der leidenden Person alles abnehmen. Der Patient muss soweit möglich seine Angelegenheiten selber an die Hand nehmen, denn nur so besteht eine gewisse Aussicht auf Erfolg.

Weitere Infos zur Seite
Erzeugt Freitag, 2. März 2012
von wabis
Zum Seitenanfang
Geändert Freitag, 2. März 2012
von wabis