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Alte Fotos restaurieren

Mittwoch, 13. April 2016 - 23:00 | Autor: wabis | Thema: Fotos | Kommentare(6)
Mit Hilfe moderner Bildbearbeitungsprogrammen habe ich alte Familienfotos restauriert. Hier gebe ich Tipps und Einblicke in meine Arbeit.

Probleme alter Fotos

  • Fotos sind oft klein
  • Staub und Kratzer
  • Risse und fehlende Teile
  • Verblasste Farben
  • Farbstich
  • Unscharf oder verwackelt

In den folgenden Abschnitten wird beschrieben, wie ich diese Probleme behoben habe.

Arbeitsschritte

Tipp: Das Resultat jedes Arbeitsschrittes speichern und aufbewahren.

  1. Scannen
  2. Ausrichten und Ausschneiden
  3. Tonwert-Korrektur
  4. Staub und Kratzer entfernen mit Filter, Ebenen und Masken
  5. Fehlende Teile ergänzen
  6. Rekonstruktionen und grosse Flecken
  7. Unscharfe und verwackelte Aufnahmen verbessern

Verwendete Bildbearbeitungsprogramme

Scannen

Idealerweise scannt man Fotos einzeln, weil man sie dann so in den Scanner legen kann, dass ihre Ausrichtung optimal ist, sie also nicht schräg eingescannt werden. Man kann einzelne Fotos auch besser reinigen vor dem Scannen.

Fotos sollten vor dem Scannen möglichst sanft von Staub befreit werden. Ich verwende Mikrofasertücher und einen weichen Pinsel. Achtung: keine zusätzlichen Kratzer erzeugen. Im Zweifelsfall lieber mit Verunreinigungen scannen. Diese können im Bildbearbeitungsprogramm oft besser entfernt werden.

Sind Fotos in einem Album eingeklebt, kommt man nicht drumherum, eine ganze Seite auf einmal zu scannen. Das ist jedoch kein Nachteil. Die einzelnen Fotos können im Bildbearbeitungsprogramm problemlos ausgeschnitten werden. Schräg eingeklebte Fotos können einfach ausgerichtet werden.

Vorteile des Scannens einer ganzen Album-Seite:

  • Weniger Scan-Dateien
  • Beschriftungen von Fotos werden gleich mitgescannt
  • Zeitersparnis
  • Auch Fotos, die man noch nicht bearbeiten will, stehen später zur Verfügung

Beim Scannen einer ganzen Seite muss man aufpassen, dass die ganze Seite vollständig auf der Sanner-Scheibe aufliegt. Dies ist manchmal etwas mühsam zu erreichen. Es sollte nicht zu viel Druck auf dem Album aufliegen, da sonst der Scanner beschädigt werden könnte. Mit zu wenig Druck werden nicht ganz aufliegende Fotos unscharf gescannt und es besteht die Gefahr, dass das Album sich während dem Scan-Vorgang bewegt, was zu Verzerrungen führt. Für mich hat sich das Auflegen eines grossen Buches bewährt.

Auflösung und Bildformat

 Verwendete Auflösung: 1200 DPI

Fotos sind analog. Das heisst, die Farb- oder Helligkeitsinformation liegt stufenlos vor. Beim Sannen werden diese Informationen in Pixel einer bestimmten Grösse und einer bestimmten Abstufung (üblicherweise 256 Stufen pro Farbkanal) konvertiert. Es stellt sich nun die Frage, in welcher Auflösung soll ein Foto gescannt werden.

Es macht selten Sinn, die volle Auflösung eines Scanners zu nutzen, denn ein Foto wird ab einer bestimmten Auflösung nicht mehr schärfer. Es ist einfach nur eine bestimmte Information im Foto enthalten. Mit der Erhöhung der Auflösung werden auch mehr Kratzer und Staubteilchen gescannt und vergrössert, die nachher wieder herausgefiltert werden müssen.

Für mich hat sich eine Scann-Auflösung von 1200 DPI (Dots Per Inch = Punkte pro Zoll) als ideal herausgestellt. Damit hatte ich sogar genug Reserve, um ein Bild ohne sichtbaren Qualitätsverlust am Ende auf die halbe Grösse (halbe Breite und halbe Höhe) zu verkleinern.

Bild in 1200 DPI Auflösung gescannt
Bild in 600 DPI Auflösung gescannt
Bild in 300 DPI Auflösung gescannt
  • Scanner-Auflösung:
  • 1200 DPI
  • 600 DPI
  • 300 DPI

Der obige Bildausschnitt zeigt die Qualität in den Scan-Auflösungen 1200 DPI, 600 DPI und 300 DPI. Klicke auf eine Schaltfläche unterhalb des Bildes oder auf das Bild, um die Qualität der verschiedenen Auflösung zu vergleichen.

Das Originalbild hat eine Grösse von 57 × 72 mm, was bei 1200 DPI eine Bildgrösse von ca. 2800 × 3500 Pixel ergab. Die 1200 DPI Auflösung wird oben 1:1 dargestellt, die anderen Auflösungen sind 2- bzw. 4-fach vergrössert, um dieselben Ausmasse zu bekommen. Zwischen 1200 und 600 DPI gibt es kaum einen sichtbaren Unterschied. Wir bekommen mit 1200 DPI also genug Reserve.

Generell sollte immer in Farbe gescannt werden, auch Schwarzweissfotos. Fleckige Verunreinigungen können so später besser herausgefiltert werden, weil diese oft eine etwas andere Farbe haben, als nicht verunreinigte Stellen.

Als Bildformate stehen komprimierte Formate wie JPG oder nicht komprimierte Formate wie TIFF zur Auswahl. TIFF Bilder werden auf der Festplatte wesentlich grösser als JPG Bilder. Beim JPG Format kann man die Stärke der Komprimierung einstellen. Es empfiehlt sich eine möglichst kleine Komprimierung (hohe Qualitätsstufe) einzustellen, um nicht hier schon Bildinformationen zu verschenken. Zwischen einer hohen JPG Qualitätsstufe und TIFF gibt es praktisch keinen sichtbaren Unterschied. Wer viele separate Bearbeitungsschritte plant, sollte die Zwischenresultate im TIFF Format speichern, um nicht bei jedem Schritt durch die Komprimierung etwas Qualität einzubüssen. Mit der hohen Scan-Qualität war das für mich nicht nötig, JPG reichte gut aus.

Korrekturen beim Scannen

Helle Stellen von alten Fotos tendieren dazu, auszubleichen. Es geht Information verloren. Beim Scannen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass diese Stellen nicht auch noch überbelichtet werden. Ich habe durch Probieren herausgefunden, dass eine Helligkeits-Einstellung von −10 % beim Scannen auf meinem Scanner ein Überbelichten verhindert. So konnte ich später mehr feine Abstufungen in hellen Stellen der Fotos wieder herstellen.

Scan-Helligkeit: 100%
Scan-Helligkeit: 90%
  • Scan-Helligkeit:
  • 100%
  • 90%

Im obigen Bild sieht man, dass bei der Standard-Einstellung 100 % im Schleier keinerlei Informationen mehr enthalten sind. Er ist einfach weiss. Bei Reduktion der Helligkeit um 10 % hingegen werden die noch vorhandenen Strukturen des Originals erst sichtbar. Diese können bei der Bildbearbeiten weiter hervorgehoben werden.

Oft kann man auch Kontrast oder Effekte wie Schärfen einstellen. Davon rate ich ab, denn dies kann besser bei der Bearbeitung am Computer vorgenommen werden.

 Verwendete Korrektur: Helligkeit −10 %

Ausrichten und Ausschneiden

Rand und defekte Teile abschneiden?

Wir können nun in einem Bildbearbeitungsprogramm ein gescanntes Foto öffnen. Wenn eine ganze Album-Seite auf einmal gescannt wurde, muss zuerst das zu bearbeitende Foto mit der Funktion Freistellen (Crop-Tool) grob so ausgeschnitten werden, dass auch der Rahmen im Bild sichtbar ist.

Mit der Funktion Begradigen kann das eventuell leicht schräg gescannte Bild ausgerichtet werden. Dabei kann man sich am Rand orientieren. Bei Photoshop steht eine praktische Funktion bereit, mit der man einfach eine Linie entlang eines Randes ziehen kann. Das Bild wird dann so rotiert, dass diese Linie genau vertikal oder horizontal wird.

Im nächsten Schritt schneide ich den Rand weg. Dieser kann später wieder hinzugefügt werden, falls erwünscht. Da der Rand meist heller ist als das Bild, erschwert er die Tonwert-Korrektur, weil er dem eigentlichen Bild viele weisse Pixel ohne nützliche Informationen hinzufügt.

Viele Fotos sind entlang des Randes am schlimmsten beschädigt. Es muss entschieden werden, ob man die schadhaften Stellen einfach abschneiden soll, oder ob man die fehlenden Stellen restaurieren will. Im nebenstehenden Bild habe ich mich dazu entschieden, die schadhaften Bildteile unten abzuschneiden.

Das freigestellte noch unbearbeitete Bild sollte nun in einer neuen Datei gespeichert und archiviert werden. Damit kann man es später allenfalls erneut bearbeiten, wenn man mehr Übung hat oder ein besseres Bildbearbeitungsprogramm besitzt.

Tonwert-Korrektur

Alte gescannte Fotos nutzen nur einen Teil des möglichen Helligkeitsbereichs (Tonwert-Umfang) eines Computers aus. Daher haben sie einen schwachen Kontrast bzw. einen Grauschleier. Mit der Tonwert-Korrektur kann der Tonwert-Bereich so gedehnt werden, dass aus Dunkelgrau wieder Schwarz und aus Hellgrau wieder Weiss wird.

Die Korrektur des Tonwert-Umfangs sollte vor dem weiteren Bearbeiten des Bildes geschehen, weil durch die Korrektur die schadhaften Stellen besser sichtbar werden und nicht so leicht übersehen werden. Wird die Tonwert-Korrektur erst nach dem Entfernen von Staub und Kratzern angewandt, kann es sein, dass vorher kaum sichtbare Artefakte plötzlich störend werden und mann muss das Bild erneut retouchieren.

Tonwert-Korrektur bei Schwarzweissbildern

Schwarzweissfotos liegen selten in reinen Graustufen vor, sondern haben den typischen orange/braunen Farbstich alter Fotos. Mit der Funktion Farbe entfernen kann man das Bild in reines Schwarz/Weiss konvertieren. Aber vielleicht will man ja den Farbstich behalten.

Wenn man ein Farbbild in ein Schwarzweissbild umwandeln will, hat man mit der Funktion In Schwarzweiss konvertieren die Möglichkeit, das Verhältnis der Farbanteile einzustellen, aus denen das Schwarzweissbild berechnet wird. So kann man z.B. einen blauen Himmel im Verhältnis zu anderen Bildteilen heller oder dunkler erscheinen lassen.

Bei Schwarz/Weiss-Aufnahmen ist es oft besser, nicht den ganzen Tonwert-Umfang auszunutzen, denn dann wird der Kontrast zu stark und dunkle und helle Stellen werden übersättigt.

Originalbild
Autom. Tonwertkorrektur
Manuelle Tonwertkorrektur
Weniger Kontrast

Die obigen nach Schwarz/Weiss konvertierten Bilder zeigen, wie sich der Tonwert-Bereich (Histogramm-Grafiken darunter) auf die Bilder auswirken. Im Original wird nur etwa die Hälfte des möglichen Tonwert-Umfanges ausgenutzt. Das Bild erscheint fahl wie durch einen Grauschleier betrachtet.

Die Auto-Tonwertkorrektur verteilt den Tonwert-Bereich des Bildes auf den ganzen zur Verfügung stehenden Bereich (256 Helligkeits-Abstufungen). Das erscheint mir für dieses Foto zu stark. Dunkle Stellen saufen ab, helle Stellen verlieren Details. Helligkeitsverläufe bekommen fast schon sichtbare Abstufungen. Der Kontrast ist zu stark.

Bei der manuellen Korrektur mit der Funktion Tonwert Korrektur habe ich den Tonwert nicht auf den ganzen Bereich verteilt. Der Grauschleier ist weg. Dunkle und helle Stellen fallen nicht unangenehm auf. Der Kontrast ist ok.

Im letzten Bild habe ich den Kontrast mit der Funktion Helligkeit/Kontrast noch ein wenig verringert. Damit erscheint die Haut noch eine Spur weicher.

Histogramme

Eine Histogramm-Grafik zeigt an, wieviele Pixel im Bild eine bestimmte Helligkeit haben. Der linke Rand entspricht den schwazen Pixeln, der rechte Rand den weissen Pixeln. Je höher ein Balken ist, umso mehr Pixel mit dieser Helligkeit, gegeben durch die Position des Balkens, kommen im Bild vor. Bei einem unterbelichteten Bild liegt die ganze Grafik vermehrt im linken Teil, bei Überbelichtung im rechten Bereich.

Probleme der Tonwertspreizung

In den Histogrammen sieht man, dass beim Verteilen des Tonwertes über einen grösseren Bereich Lücken im Diagramm entstehen. Das bedeutet, dass bestimmte Grausstufen nicht mehr im Bild vorkommen. Es wird nicht mehr die ganze Auflösung des Helligkeitsbereiches genutzt. Im Extremfall entstehen deutlich sichtbare Stufen in grossflächigen Bereichen.

Weil wir beim Scannen genug Reserve in der Auflösung eingestellt haben, können wir das Problem der Helligkeitsstufen mindern, indem wir verschiedene Weichzeicheneffekte subtil anwenden. Eine solche Funktion ist Matter machen. Sie interpoliert die Werte benachbarter Pixel und glättet damit diese Abstufungen. Die Lücken im Histogramm verschwinden. Wenn man diese Funktion mit niedrigen Parametern anwenden (z.B. Radius = 1, Schwellwert = 5), wird das Bild nicht unschärfer, wenn wir genug Auflösungs-Reserve haben.

Tonwert-Korrektur bei Farbfotos

Farbfotos sind in der Regel nicht so empfindlich auf Tonwert-Spreizungen wie Schwarzweissfotos. Dies liegt daran, dass 3 Farbkanäle mit je 256 Helligkeitsabstufungen vorliegen. Dies ergibt zusammen eine Helligkeitsabstufung von über 16 Millionen Stufen.

In Farbfotos kann man meist problemlos den vollen Tonwert-Umfang nutzen. Hier ist die Funktion Auto-Tonwertkorrektur unter Umständen nützlich.

Farben verändern sich in Farbfotos leider nicht gleichmässig. Eine automatische Tonwertkorrektur, welche den Tonwert jedes Farbkanals separat auf den maximal möglichen Bereich spreizt, führt daher meist nicht zum Ziel. Die folgende Bilderserie verdeutlicht den Unterschied:

Originalbild
Autom. Tonwertkorrektur
Manuelle Tonwertkorrektur
Finish mit Lightroom

Originalbild: Auf den ersten Blick scheint der Tonwertbereich voll ausgenutzt zu werden. Wenn man aber die einzelnen Farben rot/grün/blau betrachtet, sieht man, dass der Rotbereich nur im rechten 2/3-tel liegt, der Blaubereich belegt nur die Hälfte des Bereichs und liegt in der Mitte, wogegen der Grünbereich fast den ganzen Bereich nutzt. Das Resultat ist ein gelbstichiges verwaschenes Foto.

Diese Bild eignete sich besonders, die Histogramme zu studieren, denn der Hintergrund ist eine graue Fläche. Damit diese Fläche auch wirklich grau erscheint, müssen im Histogramm bei der entsprechenden Helligkeit alle drei Farbkomponenten an der selben Stelle ein Maximum haben, wie in den Bildern 3 und 4.

Automatische Tonwertkorrektur: Da die automatische Tonwertkorrektur einfach jeden Farbkanal separat auf den ganzen Tonwertbereich spreizt und die Farben aber nicht alle gleichartig verblasst sind, führt das Resultat zwar zu einem knackigeren Bild, das jedoch wieder einen Farbstich hat. Dieser liegt im Cyan-Bereich, weil der rote Kanal im Verhältnis zu stark nach unten gespreizt wurde und der blaue Kanal zu weit nach oben.

Manuelle Tonwertkorrektur: Hier habe ich jeden Farbkanal von Hand so korrigiert, dass die Histogramme der drei Kanäle besser aufeinander abgestimmt sind. Erleichtert hat mir dies, dass im mittleren Bereich alle Farbkanäle ein Maximum an der selben Stelle haben müssen, um einen grauen Hintergrund zu erhalten. Das Resultat ist ein Bild, das recht gute Farben hat, aber noch ein wenig zu blass wirkt.

Finish mit Lightroom: Die weitere Bearbeitung des Tonwert-Umfangs und der Farben ist mit dem Programm Adobe Lightroom besser und einfacher zu gestalten. Ich habe die dunklen Stellen etwas mehr abgedunkelt. Die hellen Stellen habe ich im Tonwert-Umfang etwas gedehnt, was bei den hellen Stellen im Gesicht zu mehr Details und weicherer Abstufung führt. Dazu trägt auch die leichte Reduktion des Kontrastes über das ganze Bild bei. Leichte Farbkorrekturen und ein lokales Hervorheben der Augenpartien (mehr Sättigung, Klarheit und Kontrast) runden die Bearbeitung ab.

Staub und Kratzer entfernen mit Filter, Ebenen und Masken

Das Entfernen von Staub und Kratzern kann in zwei Schritten erfolgen. Der erste Schritt erfolgt mit Hilfe von Filtern, Ebenen und Masken und ist schnell erledigt. Der zweite Schritt mit Hilfe diverser Werkzeuge ist Handarbeit und braucht viel Zeit und Erfahrung.

In Photoshop gibt es einen Filter Staub und Kratzer. Dieser entfernt sehr effektiv feinere Kratzer und Staubpartikel. Mit den Reglern Radius und Schwellwert kann beeinflusst werden, wie stark der Filter auf das Bild angewandt werden soll. Je grösser der Radius, umso dickere Kratzer und Staubpartikel werden weggefiltert. Die Funktion des Schwellwertes ist nicht so leicht zu erklären. Er beeinflusst wohl, was als Kratzer angesehen wird oder nicht.

 Von mir gewählte Werte: Radius = 6; Schwellwert = 6

Der Filter nimmt viel Arbeit ab, hat aber einen Nachteil: Er filtert auch Details in Haaren, Augen und Mustern auf Kleidern usw. weg. Dies kann jedoch mit Hilfe von Ebenen und Masken korrigiert werden.

Das Prinzip ist folgendes: Man erstellt eine neue Ebene, welche eine Kopie des Bildes enthält: Funktion Ebene duplizieren. Die neue Ebene verdeckt das Original. Dann wendet man den Filter Staub und Kratzer auf diese Ebene an. Das Bild erscheint nun mit deutlich reduzierten Kratzern, aber auch etwas unschärfer. Nun erzeugt man für diese Ebene eine sog. Ebenen-Maske mit der Funktion: Ebene / Ebenenmaske / nichts maskiert. Es wird eine weisse Maske neben der Ebene angezeigt. Eine Maske hat folgenden Zweck. An jenen Stellen, an denen schwarz auf die Maske gemalt wird, wird das Bild der Ebene durchsichtig. Wenn ich nun also zum Beispiel die Augen wieder scharf machen will, muss ich nur an dieser Stelle mit dem Pinsel-Werkzeug schwarz über die Augen malen. Dadurch scheint an dieser Stelle das scharfe Auge des Originals durch. So verfahre ich mit allen Stellen, die der Filter zu unscharf gemacht hat. Kratzer, die so wieder zum Vorschein kommen, behandle ich im nächsten Schritt manuell. Nach diesem Schritt können die beiden Ebenen wieder zu einer verknüpft werden (Funktion Ebene / mit darunter liegender auf eine Ebene reduzieren).

Der folgende Bildausschnitt verdeutlicht diesen Arbeitsschritt.

Staub und Kratzer filtern: Originalbild
Staub und Kratzer filtern: Filter angewandt
Staub und Kratzer filtern: Details wiederhergestellt
Staub und Kratzer filtern: Maske
  • Staub und Kratzer filtern:
  • Original
  • Filter angewandt
  • Details wiederhergestellt
  • Maske

Original zeigt das Ausgangsbild mit Staub und Kratzern.

Filter angewandt zeigt das Bild der neuen Ebene, nachdem der Filter angewandt wurde. Wie man sieht, sind Augen und Mund, das Muster des Kragens und die Knöpfe der Jacke deutlich unschärfer geworden.

Details hervorgeholt zeigt das Resultat, nachdem auf die Maske mit schwarzer Farbe gemalt wurde. Die Details sind nun wieder scharf, die meisten Staubkörner und Kratzer jedoch weiterhin entfernt. Nur an den Stellen, wo gemalt wurde, kommen natürlich auch die Verschmutzungen wieder zum Vorschein. Diese müssen dann mit einer anderen Methode wie unter Fehlende Teile ergänzen beschrieben entfernt werden.

Maske zeigt in rot die Bereiche, wo mit dem Pinsel-Werkzeug schwarz auf die Maske gemalt wurde.

Fehlende Teile ergänzen

Fehlende Teile oder grössere Verunreinigungen können am besten mit dem Werkzeug Kopierstempel korrigiert werden. Den Kopierstempel verwendet man erst, nachdem Staub und Kratzer vollständig entfernt wurden, damit man möglichst grosse bereinigte Bereiche als Quelle für das Kopieren zur Verfügung hat.

Mit dem Kopierstempel wählt man mit gedrückter Alt Taste einen guten Bereich in der Nähe des Fehlers, der dem fehlenden Teil möglichst ähnlich sieht. Dann kann durch Malen in den defekten Teil der gute Teil dorthin kopiert werden. Dies macht man am besten in kleinen Schritten. Je mehr man so korrigiert hat, umso mehr gute Quellbereiche stehen für die weitere Arbeit zur Verfügung.

Das folgende Bild zeigt einen Vorher/Nachher-Vergleich:

Kopierstempel: Vorher
Kopierstempel: Nachher
  • Kopierstempel:
  • Vorher
  • Nachher
Abgerundete Ecken rekonstruiert

Dieser Bereich des Bildes eignete sich hervorragend für den Kopierstempel, weil der Vorhang über grosse Bereiche gleich aussieht. Trotzdem besteht beim häufigen Kopieren von Bereichen die Gefahr, dass ein repetitives Muster entstehen kann. Dieses kann man aber zum Verschwinden bringen, indem man nachher verschiedene Bereiche hineinkopiert, um die Muster zu kaschieren.

Das nebenstehende Bild zeigt, wie mit Hilfe des Kopierstempels in vielen kleinen Schritten aus den vorhandenen Bildbereichen eines ovalen Bildes die Ecken rekonstruiert werden konnten, um wieder ein rechteckiges Bild zu erhalten.

Wenn Teile von Gesichtern fehlen, wird die Sache komplizierter. Wenn nur in der einen Hälfte des Gesichtes etwas fehlt, kann man versuchen, die entsprechenden Teile der anderen Hälfte in eine neue Ebene zu kopieren, diese Ebene zu spiegeln und auszurichten und über den fehlenden Teil zu legen. Mit einer Ebenen-Maske kann erreicht werden, dass die Kopie in den darunter liegenden Teil weich eingeblendet wird. Danach muss eventuell die Beleuchtung korrigiert werden, indem man auf einer weiteren Ebene bestimmte Teile aufhellt und andere Teile dafür abdunkelt. Glanzpunkte in Augen zeichnet man am besten neu mit dem Malwerkzeug.

Rekonstruktionen und grosse Flecken

Bei der Rekonstruktion von fehlenden Bildteilen durch Risse und der Entfernung grossflächiger Verunreinigungen hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:

  1. Staub und Kratzer entfernen mit Filter, Ebenen und Masken
  2. Staub und Kratzer auf grossen Flächen wie dem Hintergrund durch Maskieren mit stärkerem Filter entfernen
  3. Verbleibende kleine Staubkörner und Kratzer von Hand mit kleinem Bereichsreparatur-Pinsel entfernen
  4. Grosse Risse auf grossen einheitlichen Flächen mit grossem Bereichsreparatur-Pinsel entfernen
  5. Rekonstruktion der Risse durch Kopierstempel und Reparatur-Pinsel
  6. Verbliebene gröbere flächige Verunreinigungen und Unregelmässigkeiten durch Klonen guter Bereiche überdecken
Staub und Kratzer filtern: Originalbild
Staub und Kratzer filtern: Filter angewandt
Staub und Kratzer filtern: grobe Korrekturen
Staub und Kratzer filtern: Rekonstruktionen
  • Staub und Kratzer filtern:
  • Original
  • Filter angewandt
  • Grobe Korrekturen
  • Rekonstruktionen

 Rekonstruktion des obigen Beispiels in Originalgrösse

Original: Zeigt einen Bildausschnitt nach dem Scannen des Fotos und der Tonwert-Korrektur. Problemstellen sind der Riss durch das Gesicht, ein dunkler Streifen im Hintergrund und Verunreinigungen auf der Backe. Zudem sind einige dunkle Stellen im Haar durch sehr viele feine Kratzer aufgehellt. Das ganze Foto ist leicht unscharf (verwackelt).

Filter angewandt: Zeigt das Foto nach dem Anwenden von Staub und Kratzer entfernen mit Filter, Ebenen und Masken. Die meisten kleinen Kratzer und Staubteile sind verschwunden. Der Riss und die Flecken sind weiterhin vorhanden.

Grobe Korrekturen: In diesem Schritt habe ich den Hintergrund maskiert und nur darauf den Filter Staub und Kratzer entfernen mit so grossen Werten angewandt, dass der Hintergrund bis auf wenige Bereiche vollständig gereinigt ist. Die vom vorherigen Schritt noch verbliebenen kleinen Staubkörner und Kratzer sowie Teile des Risses habe ich manuell mit dem Werkzeug Bereichsreparatur-Pinsel entfernt.

Der Vorteil des Fileters Staub und Kratzer entfernen mit grossen Werten für den Hintergrund ist, dass die Struktur des Hintergrundes erhalten bleibt. Andere Filter entfernen jegliche Feinstruktur, was dann auffällig nach Bildbearbeitung aussieht.

Rekonstruktionen: Mit den Werkzeugen Kopierstempel und Reparatur-Pinsel habe ich in vielen kleinen Schritten die fehlenden Teile des Risses nach und nach rekonstruiert. Teilweise kommt dies einem Malen der fehlenden Teile gleich. Der Vorteil der Methode mit dem Kopierstempel ist, dass die Struktur erhalten bleibt, z.B. die Iris im Auge.

Mit grösseren Einstellungen dieser Werkzeuge habe ich schliesslich die verbliebenen Verunreinigungen in Gesicht und Hintergrund behoben. Schliesslich habe ich auf die Augenpartie und die Glanzstellen im Haar den Filter Verwackelung reduzieren leicht angewandt. Mit dem Werkzeug Brennen habe ich zuletzt noch die aufgerauhten Stellen im Haar abgedunkelt.

Besonders schwere Beschädigungen

Von einem Leser bekam ich die folgende Aufnahme zugesandt. Sie war sehr schwer beschädigt. Nach einiger Analyse konnt ich jedoch feststellen, dass vor allem die Gesichter nur leichte Schäden hatten. Beschädigungen und Flecken der Kleider sollte ich durch Kopieren und Spiegeln unbeschädigter Teile rekonstruieren können. Der Hintergrund mit den grössten Schäden kann durch Kopieren nur leicht beschädigter Teile nach deren Aufbesserung ergänzt werden.

Ich entschied mich für einen Versuch, das Bild zu rekonstruieren. Es gab einige Tage Arbeit aber ich finde es hat sich gelohnt:

(Klick: Zoom)
ZoomVorher: Originalversion
(Klick: Zoom)
ZoomNachher: Finale Version

 Schritte der Rekonstruktion des obigen Beispiels in Originalgrösse

Hier einige Tipps, wie ich vorgegangen bin:

Ich habe mich bei diesem Beispiel dafür entschieden, das Foto nicht in Schwarz/Weiss zu konvertieren, sondern es in der Originalfarbe zu belassen. Das erschwerte die Arbeit zwar, weil ich Farbflecken wie Beschädigungen rekonstuieren musste. Aber das Resultat sieht so besser aus als die Schwarz/Weiss-Variante.

Generell habe keine Filter angewandt, um die Struktur des Fotos zu erhalten. Ich habe in Photoshop Elements für jeden grösseren Arbeitsschritt eine neue Ebene erstellt und alle älteren Versionen auf ihren Ebenen behalten. Dadurch konnte ich schnell verschiedene Arbeitsschritte miteinander vergleichen und allenfalls bei nicht geglückten Rekonstruktionen auf Teile älterer Versionen zugreifen.

Zuerst habe ich möglichst grosse Bereiche vom noch bestehenden Hintergrund weit möglichst mit dem Bereichsreparatur-Pinsel von Staub und Kratzern befreit. Diese Bereiche hab ich dann auf die zerstörten Strukturen kopiert. Dabei entstanden oft unschöne Repetitionsmuster die ich mit dem Repearatur-Pinsel ausbügeln konnte, indem ich Strukturen aus intakten Bereichen darüber kopierte.

Bei der Rekonstruktion der Kleider suchte ich nach ähnlichen Bereichen im Bild, die ich ausschneiden, spiegeln, drehen und skalieren konnte, um so die fehlenden Bereiche zu ergänzen. Durch Ebenmasken hab ich die kopierten Bereiche sanft eingeblendet damit keine sichtbaren Ränder entstehen. Mit dem Repearatur-Pinsel habe ich dann die Strukturen der Kopien durch benachbarte Strukturen ersetzt. An manchen Stellen musste ich die fehlenden Teile mit dem Pinsel zeichnen, indem ich zunächst für den Pinsel passende Farben aus der Umgebung abgegriffen habe und so die Bereiche gezeichnet habe. Beim Zeichnen mit dem Pinsel entstehen keine Strukturen. Diese konnte ich jedoch mit dem Repearatur-Pinsel wieder aus benachbarten Bereichen darüber kopieren. Einige Bereiche wie das fehlende Bein konnte ich so durch Kopieren und Spiegeln gut wieder herstellen.

Der Strauch im Hintergrund gab mehr Arbeit als erwartet. Ich konnte zwar bestehende Bereiche kopieren, aber das sah nicht gut aus. So musste ich einige Blätter von Hhand löschen und andere einzeichnen.

Generell hatte das ganze Foto viele grosse Flecken die sich vor allem in den dunklen Stellen bemerkbar machten. Das Werkzeug Nachbelichten eignete sich nicht um die Stellen dunkler zu machen, weil die Farbinformation dabei verändert wurde. Ich fand eine Lösung, indem ich eine Kopie des Bildes machte, dieses dann mit Farbton und Sättigung soweit abdunkelte, dass die verbleichten Stellen korrekt erschienen. Dann habe ich mit Ebenen-Masken diese Bereiche in das Bild Ursprungsbild übernommen. Kleinere Details habe ich dann noch mit dem Pinsel ausgebessert.

Unscharfe und verwackelte Aufnahmen verbessern

In der Regel ist nicht viel zu machen, wenn eine Aufnahme sehr unscharf oder verwackelt ist. Es gibt zwar einen Filter Verwackelung reduzieren oder Schärfe einstellen, diese heben aber leider auch alle Unreinheites und die Körnung des Bildes stark hervor.

Eine Methode, diesen Effekt zu vermindern, ist das selektive Anwenden dieser Filter auf bestimmte wichtige Bereiche wie Augen und Mund. Dazu wird ein Duplikat der Bild-Ebene erstellt. Dann wird der Filter auf das Duplikat angewandt. Mit einer Ebenen-Maske Alles maskiert wird das Duplikat durchsichtig, sodass das darunter liegende Unscharfe Bild sichtbar wird. Dann wird mit einem weissen Pinsel über alle Stellen gemalt, die schärfer sein sollen, wie Augen und Mund. Über den Regler Deckkraft kann global eingestellt werden, wie strakt die Schärfung erscheinen soll. Über den Regler Deckkraft des Pinsels kann für individuelle Stellen die Stärke der Schärfung beim Malen eingestellt werden. Mit einem schwarzen Pinsel können Stellen auch wieder verwaschen werden, z.B. unerwünschte Flecken vom Schärfen.

Im Beispiel im vorherigen Abschnitt habe ich dieses Verfahren angewandt:

Verwackelung reduzieren: Originalbild
Verwackelung reduzieren: Filter angewandt
Verwackelung reduzieren: Maskiert
  • Verwackelung reduzieren:
  • Original
  • Filter angewandt
  • Maskiert

Original: Das verwackelte unscharfe Foto.

Filter angewandt: Die unscharfe Ebene wurde dupliziert auf eine neue Ebene. Dann wurde der Filter Verwackelung reduzieren auf die Kopie angewandt. Wie man sieht, werden Hauswand, Himmel und Kiesboden auch stark geschärft. Dies machen wir im nächsten Schritt rückgängig.

Maskiert: Es wurde eine Maske im Modus alles maskieren auf die Kopie angewandt. Dadurch erschien wieder das unter dieser Ebene liegende unscharfe Bild. Mit einem weissen Pinsel wurde nun über die Personen und Blumen gemalt. Diese erschienen nun geschärft, jedoch mit durch das Schärfen unerwünschten Artefakten. Mit einem schwarzen Pinsel wurden die Artefakte wieder geglättet.

Beim Zeichnen über die Blumen wurde die Deckkraft auf 50% gesetzt, damit der Schärfen-Effekt darauf nur 50% beträgt.

Der Vergleich der Bilder Original und Maskiert zeigt, wie durch die Maske nur erwünschte Teile des Bildes geschärft wurden.

Kommentare

1BM 02.02.2017 | 21:08

Danke für deine umfassenden Erläuterungen wird mir Helfen einige Bilder zu retten.

2Harry Harfst 16.02.2017 | 09:57

Hallo Walter,
ganz wunderbare Anleitung. Toll sind die anschaulichen Beispiele.

3Blacky 18.02.2017 | 20:10

Herzlichen Dank für vielen Tipps! :-)

4B.Kitzerow 07.03.2017 | 07:22

Ich bedanke mich für die vielen hilfreichen Tips und ich denke,ich werde nochmals meine alten Photos überarbeiten.Ich wußte gar nicht das es soviele Möglichkeiten der Bearbeitung gibt .
Die Photos meiner Vorfahren haben schon reichlich Kratzer , aber auch Risse abbekommen und gerade die Möglichkeit der Bearbeitung von Rissen finde ich sehr hilfreich.Ich kann Ihnen gar nicht genug sagen , wie dankbar ich Ihnen bin.
Mfrdl.grüßen B.Kitzerow

5Margaritha Schneider-Zürcher 05.05.2017 | 19:40

Herzlichen Dank für die Tipp werde ich ausprobieren!

6Renate 18.09.2017 | 19:58

Ganz wunderbarer Artikel. Sehr hilfreich. Vielen, herzlichen Dank! Bin gerade dabei viele alte Fotos zu bearbeiten …zwei Drittel habe ich schon bearbeitet. Das letzte Drittel werde ich mithilfe deiner Tipps bearbeiten …
Viele Grüße vom Ammersee in die Schweiz.

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