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Das traurige Ende

ZoomSo schläft er jetzt für immer in meiner Erinnerung...

Dies ist die letzte Geschichte über Pfüdi. Sie ist leider sehr traurig und brutal. Wenn du ein feines Gemüt hast, willst du sie vielleicht lieber nicht lesen.

Leider ist Pfüdi bei einem Verkehrsunfall am Morgen des 14. September 2006 grauenhaft ums Leben gekommen. Er ist gerade mal zwei Jahre alt geworden, mein Pfüdi. Ich befürchtete schon oft, dass diese Strasse durch das Dorf für Pfüdi gefährlich werden könnte. Aber Pfüdi war so ein schreckhafter, ängstlicher Kater, dass ich insgeheim hoffte, dass er sich von der Strasse fern halten würde.

An diesem unglückseeligen Tag war ich alleine zu Hause. Beth war für eine Woche in ihrem wohl verdienten Urlaub im Tessin. Ich hatte bis dahin eine lustige Woche mit Pfüdi. Er hatte schon 5 Spielzeugmäuse geschlissen. Immer wenn er wieder mal nach Hause kam, spazierte er schnurstraks dorthin, wo ich die letzte Maus versteckt hatte und forderte mich zum Spiel mit ihm auf. Wie wild schupste er die Maus in der ganzen Wohnung umher und schnurrte dabei laut. Wenn ich die Maus mit dem Finger wegspickte, rannte er hinterher und brachte sie schön zu mir zurück und putschte mich dabei mit dem Kopf an, wie ein verliebter Kater.

Um Mitternacht auf den 14. September liess ich ihn raus, wie gewohnt. Am Morgen um 8 Uhr erwachte ich unsanft, weil jemand auf dem Hausdach herum spazierte. Mist! Vor dem Eingang parkte ein Auto einer Reinigungsfirma. Wasserschläuche lagen der Strasse entlang und irgendwo zischte es laut, während der Motor des Autos laut brummte. Da unsere Nachbarn von unten ebenfalls im Urlaub waren, hatte Pfüdi noch keine Gelegenheit, vorher ins Haus zu schlüpfen. Ich wusste, dass er grosse Angst vor solchem Lärm hatte. So beeilte ich mich und ging nach draussen, um ihn zu suchen. Aber in den üblichen Gebüschen konnte ich ihn nicht entdecken und auch mein Rufen blieb unbeantwortet. Es war nicht das erste Mal, dass sich Pfüdi wegen Rasenmäher, Rasentrimmer, Kübelwagen oder Feuerwehrautos einen ganzen Tag lang irgendwo draussen verstecken musste. Am Abend, wenn es dann ruhiger und dunkler wurde, kam er immer wieder nach Hause. Ich hoffte, dass er dies auch heute so machen würde. Trotzdem hab ich ihn noch zweimal am Tag in der näheren Umgebung gesucht. Erfolglos.

Drei Wochen später hab ich dann erfahren, dass er vermutlich irgendwann am Morgen zwischen 8:00 und 11:30 in die Strasse gelaufen sein muss. Es ist gut möglich, dass er mich aus der Haustür hat kommen sehen und mir entgegen springen wollte. Mir bleibt fast das Herz stehen, wenn ich daran denke. Zum Glück musste ich nicht auch noch mit ansehen, wie er überfahren wurde. Das hätte mich umgehauen.

Als ich ihn am Abend beim Eindunkeln erneut suchen ging, rief mir eine Nachbarin aus dem Fenster zu, ob ich unsere Katze noch habe. Es habe einen Tumult gegeben heute Mittag auf der anderen Seite der Dorfstrasse, als die Schüler eine tote Katze am Strassenrand liegen sahen. Ich wusste augenblicklich, dass das nur Pfüdi gewesen sein konnte und erschrak heftig. Zunächst hoffte ich natürlich, dass es doch eine andere Katze gewesen sein möge. Aber Pfüdi blieb verschwunden. Das einzige, was von ihm noch übrig blieb, war eine mehr als 10 Meter lange, grauenhaft aussehende Blutlache entlang der Strasse!

Mir stockte der Atem beim Anblick dieser Spuren. Es ist eine schnurgerade, sehr übersichtliche Strasse. An der Stelle, wo Pfüdi überfahren wurde, ist ein Fussgängerstreifen der unmittelbar vor ein Schulhaus führt, in dem Erst- bis Sechstklässler Unterricht haben. Pfüdi muss den Schülern einen grauenhaften Anblick geboten haben. Sie konnten ihn unmöglich übersehen, da die Blutspur über den ganzen Fussgängerstreifen reichte. Ein Glück, dass es "nur" eine Katze erwischt hat.

Ich bin extrem frustriert. Die ganze Lebensqualität wird der Scheiss-Mobilität geopfert. Nicht nur Lärm und Gestank muss Tag und Nacht ertragen werden, jetzt kostet er auch noch das Leben meines geliebten Katers. Ich frage mich, warum ich noch hier wohne...

Wie sollte ich das nur Beth erklären, wenn sie von ihrem Urlaub nach Hause kommt?

Jedesmal, wenn unten die Tür ins Schloss fällt, hoffe ich, dass Pfüdi nun nach Hause kommt. Jede Spinne oder Fliege erinnert mich an Pfüdi, wie er sie gejagt und gefressen hätte. Jedesmal, wenn ich in die Strasse zum Haus einbiege, hoffe ich, dass er mir wieder mit erhobenem Schwanz freudig miauend entgegen rennt. Noch nie hatte ich ein so liebes und anhängliches Haustier erlebt.

Pfüdi, ich vermisse dich sehr!

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Erzeugt Sonntag, 17. September 2006
von wabis
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Geändert Freitag, 4. Mai 2012
von wabis