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Kurzgeschichten

Der Bienenstich

Als Pfüdi noch ganz klein war erwachte bereits seine Vorliebe für Insekten. Jedes kleine Pünktchen, das surrend in der Wohnung umherflog, wurde erbarmungslos gejagt und mit Genuss verspeist. Regelmässig wurden Wände und Ecken nach mehrbeinigen Opfern abgesucht. Nicht selten hatte Pfüdi nachher das Gesicht voller Spinnweben.

Eines Tages konnte ich gerade zusehen, wie eine Biene zum offenen Fenster hineinflog. Pfüdi, der gerade ein Schläfchen hielt, war augenblicklich purrlimunter und bevor ich ihn abhalten konnte hatte er die Biene in einem kühnen Sprung mit einer Pfote aus der Luft gefischt und zu Boden geschleudert. Als er dann die Biene am wegfliegen hindern wollte, stach diese zu. Pfüdi stiess einen Schrei aus, machte einen riesen Satz rückwärts und schüttelte heftig die Biene aus der Pfote. Zum Glück hat er die Biene noch nicht in den Mund genommen! Wir konnten zusehen, wie seine Pfote innerhalb von Minuten mehr und mehr anschwoll, bis sie fast doppelt so gross war.

Jö, war das ein herzzerreissendes Bild. Wir konnten nicht viel tun als abwarten und trösten. Etwas essigsaure Tonerde soll bei Bienenstichen das Gift neutralisieren. Aber Pfüdi hielt nicht viel von der Behandlung. Nach 24 Stunden besserte sich die Schwellung von selbst wieder und nach 2 Tagen sah man praktisch nichts mehr.

Dieses Erlebnis hielt Pfüdi in Zukunft nicht davon ab, alle Insekten zu jagen und zu fressen, die er zu fassen kriegte. Nur Insekten mit gelben Streifen ging er ab diesem Tag respektvoll aus dem Weg.

Pfüdi spielt Walzer

Kann ein Affe, der wild auf einer Computertastatur herumspielt, je zufällig einen vernünftigen Satz schreiben? Kann eine Katze auf einem Keyboard Walzer spielen?

Letzteres konnten wir tatsächlich erleben! Pfüdi lag eine Zeit lang neben mir in meinem Zimmer auf der Fensterbank und sah mir beim Arbeiten am Computer zu. Als Beth heim kam, gesellte ich mich zu ihr in die Küche. Plötzlich hörten wir ein paar schräge Töne dann erklang Walzermusik aus meinem Schlafzimmer. Beth und ich schauten uns verduzt an und gingen in mein Schlafzimmer. Da stand Pfüdi auf dem zugedeckten Keyboard auf meinem Tisch und schaute ebenso verduzt zurück. Er war zufällig so "geschick" über die Knöpfe getrampelt, dass er dabei a) das Keyboard eingeschaltet, b) den Walzer-Knopf erwischt und c) die Starttaste des Rhythmusgerätes erwischt hat und schliesslich d) noch die Einfingerbegleitung eingeschaltet hat.

So ein Zufall...

Fast erfroren

Dieser Winter (2005/2006) hatte es in sich. Aber Pfüdi liess sich nicht abhalten, jede Nacht nach draussen zu gehen. So auch in dieser Nacht, wo das Thermometer um die -9 Grad Celcius anzeigte. Zum Glück hatte Pfüdi so ein dickes Fell. Trotzdem hatte ich so ca. gegen 2:00 Uhr Nachts, als Pfüdi schon 2 Stunden draussen bei der Saukälte war, ein ungutes Gefühl. Ich schaute aus dem Fenster, ob er nicht vielleicht schon vor der Türe wartete, dass ihn jemand herein liess. Ich konnte ihn in der Dunkelheit zunächst nicht entdecken und rief nach Pfüdi. Da kam er unter einem Auto hervor und schlich zur Haustür. Ich huschte schnell die Treppen hinunter, wo mich Pfüdi vor der Glastür schon unruhig erwartete.

Huch, was war denn mit Pfüdi passiert? Von der Mitte an nach hinten war sein Fell mit lauter kleinen Eiszapfen gespickt. Das sonst buschige Fell war in der hinteren Hälfte nun ganz eng anliegen und nass und sein Schwanz war ein einziger grosser Eiszapfen und ganz steif gefroren. Seine Pfoten waren mit Schlamm bedeckt. Offensichlich war er mit dem Hinterteil in den nahen Bach gefallen!

Pfüdi war sichtlich froh, dass er wieder in die Wärme durfte. In der Wohnung angekommen, wollte er sich des Eiszapfens am Schwanz entledigen und rannte wie wild immer schneller und schneller im Kreis, jedoch der Schwanz war schneller. Ich packte ihn und trug ihn in die Badewanne, wo ich das Eis mit der lauwarmen Dusche aus seinem Fell schmolz. Pfüdi liess die Prozedur geduldig über sich ergehen. Danach musste er sich über eine Stunde lang trocken lecken. Aber noch feucht hinter den Ohren wollte er schon wieder raus. Ich konnte nur hoffen, dass er diesmal etwas vorsichtiger sein würde.

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Erzeugt Donnerstag, 13. April 2006
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Geändert Donnerstag, 18. Juli 2013
von wabis