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Pfüdi vergiftet

Katzen sind nachtaktive Tiere. So war auch Pfüdi jede Nacht unterwegs. In unserem Haus gibt es Nachbarn, die spät in der Nacht heimkommen (zwischen 1:00 und 3:00 Uhr) oder früh zur Arbeit gehen (ca. 5:00 Uhr). Diese Gelegenheit nutzte Pfüdi, um nachts ins Haus zu gelangen. Die Haustür unserer Wohnung konnte er dann selber öffnen, indem er zur Türfalle hochsprang und mit lautem Knall wieder zurückschnellen liess.

Auch ich bin oft nachtaktiv. Als ich in einer verschneiten Februar-Nacht um 3:00 Uhr ins Bett wollte, schaute ich noch kurz aus dem Fenster, ob nicht Pfüdi vielleicht kalt habe und drunten vor der Türe warte. Und tatsächlich lief er unruhig vor der Tür hin und her. Als er mich aus dem Fenster gucken sah, stiess er ein ungewöhnlich lautes Miau aus. Ich dachte zunächst, er hätte vielleicht eine Maus gefangen und wolle sie mir nun aufgeregt präsentieren.

Ich schlüpfte also schnell in einen Morgenmantel und eilte die Treppe hinunter. Pfüdi machte schon das Männchen an der Glastüre und konnte kaum erwarten, dass ich ihn rein liess. Was ich dann sah, schockierte mich aber sehr:

Pfüdi war einerseits total aufgedreht, andererseits schwankte er stark und fiel ständig zur Seite um. Seine Hinterbeine knickten bei jedem Schritt ein. Es war, als wäre er stink-besoffen. Zunächst hab ich befürchtet, er sei vielleicht angefahren worden und habe eine Verletzung am Rücken. Ich konnte jedoch keine Verletzung feststellen und Berührungen schienen ihm keine Schmerzen zu bereiten.

Ich hob Pfüdi auf und trug ihn in die Wohnung, denn er war so wackelig auf den Beinen, dass er kaum die Treppen hinauf konnte. In der Wohnung torkelte er so schnell er konnte in die Küche und tauchte seinen Kopf förmlich in den Fressnapf. Ich habe noch nie eine Katze so gierig fressen sehen! Sogar das Gemisch aus Wasser und Halbrahm verschlang er gierig und wollte immer mehr und mehr davon. Als er endlich genug hatte, torkelte er Richtung Stube und fiel dabei immer wieder um. Ein elendigliches Bild war das. Ich entschied, dass dies ein Fall für den Tierarzt sei und weckte Beth, um ihre Meinung zu hören. Beth erinnerte sich, in einem Urlaub einmal vergiftete Katzen gesehen zu haben, welche ähnliche Symptome zeigten.

Also haben wir die Notfallnummer der Tierklinik angerufen und ein Taxi gerufen. Die Tierärztin, welche Pfüdi in Empfang nahm, meinte auch, das sehe sehr nach einer Vergiftung aus; möglicherweise Frostschutzmittel. Es könnte aber auch eine Vergiftung von einer vergifteten Maus sein, die sie gefressen hat. Tatsächlich konnte ich ein paar Tage vorher beobachten, wie Pfüdi eine tote Ratte in der Wiese gefunden und diese gefressen hat. Er zeigte jedoch danach keinerlei Symptome, aber wenn er noch mehr solche Nager gefressen hat, könnte sich das Gift im Körper ansammeln.

Pfüdi musste in der Klinik bleiben. Die Ärztin wollte ihm ein Narkotikum spritzen, damit er erbrechen musste. Aber Pfüdi war gar nicht begeistert von dieser Behandlung. Er kratzte uns drei blutig, wir konnten ihn zu Dritt kaum ruhig halten. Wir wissen nicht, ob die Spritze ihr Ziel erreicht hat, denn Pfüdi zeigte keinerlei Reaktion darauf in der nächsten halben Stunde. Er wurde in einen Käfig gesperrt wo er ständig am Gitter herum turnte und nach einem Mechanismus suchte, mit dem er die Tür wieder aufbekommen könnte. Er tat mir sehr leid, wie er da so unruhig scheinbar hilfesuchend am Gitter hing und uns zujammerte.

Die Tierärztin sagte, dass sie Pfüdi betäuben und die nächsten paar Stunden oder Tage an eine Infusion mit einem Valiumderivat legen werde. Als eine Assistentin eintraf, verabschiedeten wir uns mit unguten Gefühlen von Pfüdi. Es brach mir fast das Herz, ihn da so zurückzulassen. Wir wussten nicht, ob wir ihn noch einmal lebendig wieder sehen würden.

Er wurde dann in einen speziellen Käfig gesperrt, bei dem man eine Wand so verschieben konnte, bis er sich nicht mehr bewegen konnte. So konnte man ihm ohne Verletzungsefahr die Betäubungsspritze geben. Wie wir am anderen Tag am Telefon erfahren konnten, musste er dann doch noch erbrechen. Dabei hat man ein undefinierbares Etwas gefunden. Im Blut konnte man kein Frostschutzmittel nachweisen. Gott sei dank, denn das ist meist tödlich.

Zoom9.Febr.2006: Am Hals rasiert von der Infusion
ZoomNoch belämmert, aber glücklich wieder zu Hause

1 1/2 Tage nach der Einlieferung konnten wir Pfüdi wieder nach Hause nehmen. Ausser einer rasierten Vorderpfote und einer Rasur am Hals sah man ihm nichts mehr an. Er war nur noch leicht benommen vom Beruhigungsmittel, sonst aber wieder normal. Lediglich mit Essen und Trinken tat er sich eine Zeit lang schwer. Er nahm die Nahrung fast wie in Zeitlupe zu sich, leckt sie eher auf, als dass er sie frass und trinken wollte er fast nichts mehr.

Vergiftungsgefahren für Katzen

Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich Katzen vergiften können, z.B. durch Frostschutzmittel, Rattengift, ja sogar durch bestimmte Pflanzen. Aber auch Kochsalz kann für Katzen giftig sein! Hast du gewusst, dass Schokolade (vor allem schwarze) für einen Hund tödlich ist? In jedem Fall muss das Tier sofort in ärztliche Behandlung, wenn sich ungewöhnliche Verhaltensweisen zeigen.

Bei Vergiftungen ist die grösste Gefahr, dass die Nieren nach einiger Zeit versagen, was zum Tode führt. Diese Gefahr besteht zum Beispiel beim Frostschutzmittel Ethylenglykol (1,2-Ethandiol). Frostschutzmittel kommt in der Bremsflüssigkeit und im Kühlwasser von Autos vor. Es ist leicht süsslich im Geschmack und wird deshalb gerne von Hunden eingenommen.

Könnte sein, dass Pfüdi Wasser aus einer Pfütze trank, in der Spuren von Frostschutzmittel waren? Frostschutzmittel wirkt zunächst wie Alkohol, was zu den Symptomen von Pfüdi passen würde. Nagetiergifte wirken eher lähmend, als aufpeitschend. Das Frostschutzmittel wird in der Leber abgebaut, wobei die Abbauprodukte extrem giftig sind für die Katze. Sie lagern sich als Salze in der Niere an und verstopfen dort die Kanäle, bis die Nieren versagen und das Tier an Blutvergiftung stirbt.

Zunächst zeigt also die Katze Symptome, wie wenn sie betrunken ist. Dies ergibt sich nach einigen Stunden wieder. Dann scheint es der Katze zunächst wieder gut zu gehen. Aber nach ca. 24 Stunden lagern sich dann die Metaboliten des Frostschutzmittels in der Niere ab und es kommt zum Nierenversagen.

Wir wissen bis heute nicht, was Pfüdi erwischt hat. Von den Symptomen her am ehesten noch Frostschutzmittel, aber dies konnte man im Blut nicht nachweisen. Jedoch war das Blutbild nicht gut (was immer das heissen mag). Aber auch Rattengift kann nicht ausgeschlossen werden.

Ich habe mich im Internet über Vergiftungen bei Katzen informiert:

  • clini - Vergiftungssysmptome bei Haustieren u.a.

Vergiftung mit Rattengift

Ein Leser hat mir folgende Geschichste mit seiner Katze zugesandt:

Ich bin durch Zufall auf denArtikel über die Vergiftung Ihrer Katze gestossen, als unser Kater Leo erkrankte. Die von Ihnen beschriebenen Symptome passten zu 100 % zu unserer Katze. Da unser Tierarzt auch keinen Rat wusste, versuchte ich selber das Problem so weit wie möglich einzugrenzen. Dem Kater geht es mittlerweile wieder gut.

Das Ergebnis meiner Recherche ergab eine Vergiftung mit alpha-Chloralose (http://www.vetpharm.uzh.ch/), ein Mittel was in Mäuseködern zur Anwendung kommt.

Unser Nachbar hatte diesen Köder ausgelegt, um sein Rattenproblem in den Griff zu bekommen. Da unser Kater die gefangenen Ratten auch frisst (was schon ziemlich widerlich an sich ist), hat er sich über ein gefangene Ratte vergiftet. Auch unser Kater erbrach die Ratte wieder. Seine Symptome hielten ca. 6 Stunden an.

Ihr Artikel hat uns in der Zeit als es Leo schlecht ging, die Hoffnung gegeben das doch noch alles gut wird. Danke!

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Erzeugt Samstag, 25. Februar 2006
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Geändert Dienstag, 1. Dezember 2015
von wabis